Wandern in der Provence
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11.08.2026

Wann ist die schönste Zeit in der Provence?

772676803_27680741468256142_3443848507895472356_n.jpgIch werde immer wieder gefragt, wann denn die beste Zeit ist, um in die Provence zu reisen. Meine Antwort ist immer die gleiche:

Jede Jahreszeit in der Provence hat ihren Reiz, ihre schönen, und auch nicht so schönen Seiten. Die Provence ist groß, es kommt natürlich auch darauf an, wo man denn hin möchte. Urlaub am Strand, im Hinterland, in den Bergen, an einem Stausee, in einer Stadt, oder doch lieber auf dem Dorf, Campingurlaub, gediegenes Hotel, oder Ferienwohnung bzw. -Haus. Aktivurlaub oder eher Faulenzen, Kultururlaub oder Party.

Ich bleibe mal bei uns auf dem Plateau d´Albion, etwa einhundert Kilometer von der Küste entfernt, ländlich zwischen Luberon und Mont Ventoux gelegen. Hier im beschaulichen Saint-Christol betreiben wir seit mehr als 18 Jahren unser Ferienhaus La Rostane. Umgeben von ausgedehnten Lavendelfeldern der perfekte Ort für einen Sommerurlaub. Aber ist das alles? Nein, hier gibt es viel mehr zu sehen und zu erleben als ‘nur’ Lavendel. Jede Jahreszeit hat ihren Reiz…

F R Ü H L I N G 
Ab Ostern merkt man eine gewisse Aufbruchstimmung. Die Wochenmärkte füllen sich seh- und hörbar, aber es ist immer noch erträglich, und die Händler freuen sich über die steigende Nachfrage nach regionalen Produkten. Die Temperaturen sind angenehm, nachts eher kühl, es kann auch mal winden und regnen. Aber Vorsicht, die Sonne ist schon sehr intensiv, der erste Sonnenbrand kommt schneller als man denkt…
Diese Zeit eignet sich perfekt, die Region zu erkunden, Stadte wie Avignon, Carpentras, Aix-en-Provence und weitere zu besuchen. Da es noch nicht so heiß ist, kann man sehr gut Wandern in der Provence, oder mit dem Bike den Mont Ventoux erklimmen. Endlose Mohn- und Sonnenblumenfelder, sowie die Ginsterhänge stehen in voller Blüte, überall duftet es nach Kräutern und Wildblumen. An den Pausentagen eignet sich unser großer Park und die möblierten Terrassen für Entschleunigung und Erholung. In den Restaurants kann man auch kurzfristig noch einen Tisch reservieren, man trifft eher auf Einheimische, als auf Touristen…

S O M M E R 
Ab Pfingsten füllt sich die Provence. Bei uns in Saint-Christol bekommt man das gar nicht so stark mit, außer auf den Dorffesten, welche ab Juni in immer kürzeren Abständen stattfinden. Die Wochenmärkte füllen sich mit Menschenmassen und Händlern, es gibt immer mehr Stände mit Touri-Krusch zu überteuerten Preisen. In den umliegenden Städten wie Sault und Apt ist an den Markttagen kaum noch ein Parkplatz zu finden. Auch die Autofahrt dorthin kann mitunter anstrengend sein, entweder man fährt hinter den Kolonnen an Rennradfahrern her, oder man ist ständigen teils nicht ungefährlichen Überholmanövern ausgesetzt.
Es wird mitunter sehr heiß, in den tiefergelegenen Städten können es schon mal über 40 Grad werden. Saint-Christol liegt auf 850 Metern, man spürt bei der Ankunft eine angenehme ‘Kühle’, obwohl es auch gerne über 30 Grad hat. Aber es ist Leben auf dem Plateau, Dorffeste, Konzerte, Ausstellungen, es gibt kaum einen Tag, an dem nichts im Umkreis von zehn Kilometern geboten ist. Und abends dann mit einem kühlen Rosé auf der Terrasse sitzen, die Ruhe und Stille genießen, den Zikaden zu lauschen, und natürlich den Duft der umliegenden Lavendelfelder einsaugen. Ja, das ist Sommer in der Provence…

H E R B S T 
Im September, wenn die französischen Ferien vorbei sind, wird es ganz plötzlich still und ruhig auf dem Plateau. Auf den Wochenmärkten gibt es wieder überwiegend regionale Produkte, die Preise werden von Touri-Modus auf Normal gestellt, und es sind auch wieder Parkplätze zu finden. Die Abende werden kühler, man kann die ersten mit Eiche bestückten Kaminfeuer riechen. Endlich kann man auch tagsüber wieder aktiv werden, die angenehmen Temperaturen für Ausflüge, Städtetouren und Wanderungen nutzen.
Die sommerlichen Dorffeste mit Party und Musik gehen über in ländlich geprägte Maronenfeste, Pilzfeste, oder Kürbisfeste. Los ist da auch was, aber halt beschaulicher. Es kann auch mal regnen, abends wird es auch mal kühl. Überwiegend scheint aber die Sonne bei angenehmen Temperaturen, teils sogar über 30 Grad. Mit einer Decke kann man abends meist noch draußen sitzen und die herbstliche Stimmung genießen. Die Wälder färben sich goldgelb, der frische Wind sorgt für eine angenehme Abkühlung. Die Luft wird klarer, der Sternenhimmel fantastischer, der Blick auf die umliegenden Berge immer weiter…

W I N T E R 
Im Dezember hat man das Gefühl, hier hat jemand den Stecker gezogen. Die Provenzalen verbarrikadieren sich in ihren Häusern, ok, es kann schon mal unangenehm kühl sein. Das ändert sich schlagartig kurz vor Weihnachten. Da strömen alle in die Supermärkte, um sich an den reichlich gefüllten Auslagen zu bedienen. Ich will gar nicht aufzählen, was es alles gibt, denn vieles davon passt leider nicht zu meinem Verständnis von Tierwohl. Aber jedem das seine. Spannend sind die Trüffelmärkte, aber auch auf den Wochenmärkten gibt es diese erdige Delikatesse zu kaufen.
Im Januar und Februar kann es auch sehr unangenehm werden, vor allem wenn der Mistral beißend über das Plateau fegt. Man will es nicht glauben, aber dieser Wind kann sehr kräftezehrend sein. Aber auch befreiend, erfrischend und erneuernd. Neue Gedanken bekommen Platz, man besinnt sich auf das Wesentliche, ist so stark mit den Kräften der Natur verbunden wie zu keiner anderen Jahreszeit. Das ist zumindest mein Empfinden. Und dann abends am offenen Kamin zu sitzen mit einem Glas Rotwein, einfach so in das Feuer schauen, den Gedanken freien Lauf lassen, das ist besser als jedes Fernsehprogramm…

F A Z I T 
Meine liebste Zeit in der Provence ist der Winter. Die Entschleunigung, Ruhe und Stille genieße ich sehr. Gefolgt vom Herbst, da finde ich die nötige Zeit für Natur und Wandern in der Provence. Der Frühling ist für mich meist von viel Arbeit geprägt, die Ferienwohnung wird für die Saison hergerichtet, vieles wird geplant, Restarbeiten müssen wie immer auf den letzten Drücker fertiggestellt werden. Der Sommer ist temperaturbedingt eher faul, sportliche Aktivitäten meide ich da. Dafür genieße ich auch die Lebendigkeit auf dem Plateau.

Als Urlauber sieht man das natürlich ganz anders. Viele unserer Feriengäste, welche erstmalig im Sommer bei uns waren, wählen für die nächsten Buchungen eher das Frühjahr oder den Herbst. Da ist es nicht so heiß, es ist nicht so voll, es ist perfekt für Ausflüge, Besichtigungen und Städtetouren. Wie seht Ihr das?

Foto: Chapeau Rouge, unterhalb von Simiane-la-Rotonde
neun Kilometer vom Ferienhaus La Rostane entfernt

Dieser Beitrag wurde erstellt von Christian Srock - 09:11 | Kommentar hinzufügen

 
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